DEUTSCH  /  ENGLISH
PROJEKTE
KOMPOSITIONEN
KONZERTE
AUFNAHMEN
BIOGRAFISCHES

Music for electrified table and strings

a dining experience with Telemann

Telemanns berühmt berüchtigte Tafelmusik wurde gerne etwas despektierlich als Begleitmusik für höfische Feierlichkeiten angesehen. Lange wurde sie stigmatisiert als niedere 'Gebrauchsmusik' obwohl sich Musikwissenschaftler alle Mühe gaben, die inspirierenden Qualitäten, Erfindungsgeist und Originalität dieser herrlichen Musik hervorzuheben.

Mit dem Wunsch, dem Scottish Ensemble für unsere gemeinsame Tournee etwas aus meiner Heimat, Hamburg, mitzubringen entstand die Idee die erste Orchestersuite aus Telemanns Tafelmusk als Ausgangspunkt für eine Rekomposition zu nehmen, also mit dem bereits existierenden Telemannschen Material wie in einem Steinbruch neu zu arbeiten. Als Referenz zu oben erwähntem Klischee der fürstlichen Tafelfreuden entwarf ich einen Klang-Tisch den ich als Solist bespiele. Dieser Tisch dient vielen kleinen Objekten und Instrumenten als Spielfläche. Er ist mit Kontaktmikrophonen verstärkt und diese amplifizierten Klänge suggerieren eine Art künstliche Realität die sich in einem Wechselspiel mal kontrastierend, mal verschmelzend zu dem 'historischen' akustischen Klang der Streicher und des Cembalos verhält.

Ein weiteres Bedürfnis, dem während der Arbeit an dem Stück viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde, war die spontane Interaktion zwischen Ensemble und Solist, sowie innerhalb des Ensembles. Während weite Strecken des Stücks präzise notiert sind, gibt es ebenso Momente, die Raum für Improvisation und Überraschendes bieten, wodurch ein lebendiger Dialog zwischen den musikalischen Partnern entstehen kann.

Ich verwendete einige Schnipsel und Ideen der originalen Tafelmusik als Samples, um sie in eine völlig neues musikalisches Umfeld zu platzieren. Gleichzeitig war das Telemansche Original und insbesondere seine inspirierenden Rhythmen Grundlage für Wechselwirkungen mit ganz anderen, zeitgenössischeren Musiksprachen wie etwa drum'n bass, Jazz oder experimental electronica. Das Stück ist also eine Lesart des Originals aus zeitgenössischer Perspektive dass insbesondere mit überraschenden Verbindungen und Gemeinsamkeiten eine Brücke über die Epochen, Stilrichtungen und musikalischen Moden spannt.

Nicht zuletzt ist es ein sehr persönlicher Zugang zu Telemanns Original und ich bin super glücklich, dass das Scottish Ensemble bereit war, sich auf meine Partitur einzulassen und ihr auf unserer gemeinsam Tournee im März 2017 auf so wundervolle und kreative Weise Leben einhauchte!

Video

Baroque underground - Tafelmusik with a twist (auf der BBC-Seite)
Music for electrified table and strings - a dining experience with Telemann (auf Facebook)

Presse

The Scotsman: "Fischer served up a rarified musical feast in Tafel music Recomposed (A dining experience with Telemann: Music for electrified table and strings) by manipulating numerous everyday objects on an amplified table, from paint scrapers to washing up scrubbers, nails and bottles filled with alcohol. Gliding between past and present, the ensemble (led by Jonathan Morton) and Fischer reconfigured Telemann’s sophisticated rhythms through the prism of electronica with a dash of childlike charm via a tinkling toy piano."

Bachtrack: "...Fischer’s Tafelmusik Recomposed (A dining experience with Telemann: Music for electrified table and strings) took Telemann’s music and mixed it with percussion and light electronics, sometimes blending into the traditional, at others contrasting starkly. Fischer sat at a busy soundboard populated with tuned bottles of liquid, a kitchen pallet knife, egg whisk, nails in a block and an array of other unlikely objects including a sponge, shot glass and metal bowl. A digital toy piano and a few electronics with a percussion app completed the range. Moving objects across the table sounded like distant passing traffic, and the Ensemble entered with slow ponderous Telemann. Fischer, taking a Baroque bow to the palette knife and whisk produced edgy harsh notes, echoed by the Ensemble playing next to the bridge. A more traditional dance with slapped bass was met by Fischer using sticks on everything raising energy levels before a South American rhythm was set up, the viola making dry percussive noises. Things became more surreal when electronic voices were introduced, and with the strings playing loops for a moment I thought we had jumped tracks to Reich’s Different Trains. Telemann’s music kept coming back though, the Ensemble even more energised and ending in a bouncy dance. Fischer looked relaxed and in his element, clearly relishing the mix of written and improvised music."